“Tanz für Männer”- Tanz die Toleranz

Mein Name ist Sayed Labib und ich arbeite seit zwei Jahren bei „Tanz die Toleranz“ (ein Projekt der Caritas). 2013 und auch dieses Jahr, 2014, durfte ich ein besonders spannendes Projekt leiten, es heißt „Tanz für Männer“. In diesem Projekt arbeite ich mit männlichen Flüchtlingen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, oft sind auch Teilnehmer dabei, die noch absolut keinen Zugang zu Tanz, künstlerischem Ausdruck oder körperlicher Bewegungsfreiheit haben. Viele kommen aus islamischen Ländern in denen Tanz verboten ist. Es ist unglaublich interessant die Entwicklung der körperlichen Bewegungsfreiheit im Tanz bei ihnen während des Probezeitraums zu beobachten. Die Männer öffnen sich nicht nur für den tänzerischen Kontakt zu anderen Menschen, sie öffnen auch ihre Persönlichkeit für neue Impulse und Denkweisen. Tanz kann so auch als Kommunikation und der Vermittlung kultureller Werte dienen. Einerseits nehmen die Teilnehmer so neue Meinungen in sich auf, aber andererseits gebe ich ihnen in meiner Choreografie auch Raum und Zeit um ihre eigenen Glaubensvorstellungen, Meinungen und kulturellen Hintergründe zum Ausdruck zu bringen.  Mein Stück von 2014 thematisiert den „eigenen Diktator“ in jedem von uns, da wir alle irgendwie unsere Meinung und unsere Werte als richtig ansehen (sonst würden wir sie wohl nicht vertreten) dies aber indirekt auch heißt, dass gegensätzliche Meinungen „falsch“ sein müssen. Was heißt es, wenn unsere Meinung zu einer solchen Absolutheit verkommt, dass sie nur Differenzen zu anderen schafft? Und können wir in einer Gesellschaft die sich durch Differenz definiert wirklich gut zusammenleben? Kulturelle Hintergründe haben oft einen sehr großen Einfluss auf unsere Meinung, daher können Menschen mit ähnlichen kulturellem Hintergrund meist ohne sehr große Schwierigkeiten in einer Gesellschaft zusammenleben. Doch ist...